Fünf Jahre nach dem RFID-Hype erste Ernüchterung

Fünf Jahre ist es jetzt her, seit die Metro Group mit ihrem "Future Store" einen regelrechten RFID-Hype heraufbeschwor. Mittlerweile ist es aber ruhiger geworden um die Funktechnik.

Metro

Vor allem im Massenmarkt haben sich die Erwartungen nicht erfüllt. Die Kennzeichnung von Verbrauchsgütern (Item-Level-Tagging) wird sich kurzfristig wohl kaum durchsetzen können. Das liegt in erster Linie an den immer noch zu hohen Preisen für die Funketiketten. Derzeit kosten diese zwischen 10 und 20 Cent. Bei einem Becher Joghurt wäre somit kein Gewinn mehr zu erzielen.

Laut Eldgar Fleich, Professor an der ETH Zürich und der Universität St. Gallen, können noch 15 Jahre vergehen, bis sich die RFID-Technologie auch im Einzelhandel flächendeckend durchsetzt. Derzeit wird lediglich in einigen Pilotprojekten die Kennzeichnung auf Artikelebene eingesetzt. Zu nennen sind hier die Metro-Tochter Kaufhof, Gerry Weber oder auch der Herrenausstatter Gardeur.

Im Pharmabereich hat sich die Technik hingegen durchgesetzt. Vor allem dient RFID der Fälschungssicherheit. Pfizer beispielsweise schützt sein Potenzmittel Viagra damit gegen billige, wirkungslose oder gefährliche Nachahmungsprodukte.

Die Automatisierung der Lieferkette ist auch noch nicht soweit vorangeschritten, wie es sich die Branchenriesen Waltmart und Metro vorgestellt haben – trotz Ausnutzung Ihrer Vormachtstellung und Druck auf abhängige Lieferanten. Lieferanten sehen nicht ein, wieso sie die Kosten tragen sollen, wenn der Händler den Nutzen davon hat. So kommt der Nutzen für Lieferanten erst mittelfristig zum tragen.

Vorteile ergeben sich besonders, wenn geschlossene Kreisläufe vorherrschen, wie z.B. in der Instandhaltung oder der Verwaltung von teuren Werkzeugen. VW und Airbus nutzen RFID-Lösungen, um den Verbleib von Spezialwerkzeugen zu überwachen.

Sehr verbreitet ist RFID inzwischen in der Transportlogistik. Einerseits kann der gesamte Weg der Ladung verfolgt werden, andererseits kann in Kombination mit Sensoren die Temperatur überwacht werden. Davon profitiert vor allem die Frischelogistik.

Metall, Flüssigkeiten und elektromagnetische Störfelder stellen immer noch technische Hindernisse dar und beeinträchtigen die Lesegenauigkeit. So muss für jedes Projekt individuell geplant werden. Eine Lösung von der Stange gibt es laut Dirk Masuhr, Projektmanager bei der GS1 Germany GmbH, noch nicht.

Die globale Standardisierung sei, laut Fleisch und Masuhr, so gut wie abgeschlossen. Sowohl der elektronische Produktcode (EPC) als auch die unterschiedlich genutzten Frequenzen der einzelnen Länder stellen keine Hindernisse mehr dar.

Quelle: Computerwoche 27/2008

Ähnliche News

NASA testet RFID für künftige Mars-Missionen Die NASA möchte diesen Sommer mit Tests beginnen, die klären, ob die RFID-Technologie im Weltraum eingesetzt werden kann. Dies sei der erste Schritt für den RFID-Einsatz in zukünftigen bemannten Mars-Missionen, teilte ein NASA-Sprecher mit. So soll im Juli das Space-Shuttle "Endeavor" auf dem Weg zur internationalen Raumstation eine Vielzahl unterschiedlicher RFID-Tag...
Winzige RFID-Chips von Hitachi Tokio (pte) - Hitachi hat in Japan neue RFID-Prototypen entwickelt, die gerade einmal so groß wie ein Staubkorn sind. Die winzigen Sender sind 64-mal kleiner als die derzeit von Hitachi angebotenen kleinsten RFID-Tags und weisen Maße von 0,05 mal 0,05 Millimeter auf. Mit einer Dicke von nur fünf Mikron eignet sich der RFID-Staub für die Integration in eine Reihe von Materiali...
IBM-Server analysiert RFID-Daten Auf der "RFID World" in Dallas hat IBM den "Websphere RFID Premises Server" vorgestellt. Der Server nimmt RFID-Rohdaten entgegen und bietet umfassende Möglichkeiten zur genauen Analyse und besseren Integration in bestehende Firmen-Anwendungen. Die Server-Software, die zusammen mit der Metro-Group entwickelt wurde, nutzt ein Device-Modell, das auf dem Open-Source-Framework ...
Akten und Schriftstücke per RFID aufspüren Die italienische Firma Raptech verwendet RFID-Chips zur Dokumentenarchivierung. So soll nichts mehr verloren gehen, zudem ist die Methode sehr schnell. Foto: pixelio.de Das auf Kommunikationstechnik spezialisierte Startup-Unternehmen Raptech http://www.raptech.it hat in Zusammenarbeit mit dem Elektronikinstitut der römischen Universität Tor Vergata ein neuartiges Archivierungssystem en...
Justizmodernisierung – Digitales Diktieren und RFID Die Software "Findentity" von Thax soll in NRW die Justiz modernisieren. Gerade durch die Integration von RFID-Transpondern erwartet man sich erhebliche wirtschaftliche Vorteile und eine Optimierung des Workflows. Dyn. Diktate-Verteilung per Drag & Drop und elektronische Akte In der europaweiten Ausschreibung für ein digitales Diktiersystem für die Justiz in Nordrhein-Wes...
1 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 5
event_note

account_box Redaktion


folder